Am Freitag fand die letzte Schwedisch-Lektion statt und wir haben uns zum Abschluss eine schwedische Dokumentation aus der Mediathek angesehen. Es war der 2. von 3 Teilen zum Thema „Es ist gar nicht so schlecht, alt zu werden“ mit der ältesten schwedischen Bloggerin Dagny Carlsson. Sie ist inzwischen 104 Jahre alt und hat im Alter von 99 Jahren angefangen, sich mit Computern zu beschäftigen. „Mailen ist das Wichtigste!“ ist ihr Motto, das sie sowohl ihrer jüngsten Schwester zum 90. Geburtstag nahe legt als auch ihren „jüngeren Alten“ in dem Computerkurs, den sie hält. Man ist nie zu alt zum lernen, das verdeutlicht sie auf brillante Art und Weise. Sie lebt alleine in Stockholm in einer kleinen Wohnung, versorgt sich selbst, kann sich auch die Schuhe noch selbst anziehen und verschließen. Sie hat sich das Motto ihrer Großmutter zu Herzen genommen „Wenn du dir nicht selbst hilfst, dann hilft dir niemand.“ Eine äußerst beeindruckende ältere Dame. Sie wurde auch in der gleichnamigen TV-Show zur „Schwedin der Woche“ gewählt, zum ersten Mal in ihrem Leben von jemand anders geschminkt und hat auch in dieser TV-Serie ihren unglaublichen Humor zum Besten gegeben. Sie bloggt vor allem, um Kontakt zu finden, sucht auch nach jemandem, mit dem sie endlich mal wieder tanzen kann. Seit ihr Mann vor über 10 Jahren starb hat sie niemanden mehr, mit dem sie tanzen kann. Ihre Kommentare zu den Männern, die im Netz ebenfalls nach Kontakten suchen sind hinreißend - ein 80-jähriger, der Frauen bis 29 Jahren sucht, ist pädophil, alle unter 80 sind „Jugendliche“ usw. - es ist wirklich sehenswert. Ihr Blogg wird inzwischen von über 500 000 Menschen verfolgt, es lohnt sich. Für alle, die Dagny „Bojan" mal sehen möchten und eventuell auch Schwedisch üben wollen: Bojans Blogg
Und dann gibt es noch ein paar herbstliche Bilder aus Gargnäs und vom Campingplatz Gargnäs. Bis jetzt hatten wir noch keinen Nachtfrost, die niedrigste Temperatur war 1,7 °C.
Herbst in Gargnäs
Herbst in Gargnäs
Herbst in Gargnäs
Herbst in Gargnäs
Herbst in Gargnäs
Herbst in Gargnäs
Campingplatz Gargnäs
Campingplatz Gargnäs
Nach 4 Wochen verabschieden wir uns aus Gargnäs, wir haben uns schon ganz heimisch gefühlt. Die Leute aus dem Dorf haben uns schon angesprochen, haben sogar schwedisch mit uns geredet und nicht sofort ins Englische gewechselt. Wenns am schönsten ist soll man gehen und deshalb machen wir uns auf den Weg zur Küste. Wir steuern den Campingplatz in Umeå an, der leider sehr verkehrsgünstig liegt. Dafür ist die Infrastruktur sehr gut, und für die wenigen Campinggäste sehr gut ausgestattet. In der Hochsaison dürfte das etwas anders aussehen... Von den vier Waschmaschinen ist eine defekt, das hat in Schweden eine jahrtausendealte Tradition, eine Reparatur will seeeeeehr lange und reiflich überlegt sein! In der Nebensaison ist das ja auch kein Problem, vor allem, wenn man nicht direkt am Folgetag abreisen will und nicht nur den Nachmittag und Abend nutzen kann sondern am Vormittag alle Maschinen belagern kann. Ich kann mich also richtig austoben und auch die beiden Trockner stehen mir (erst mal) alleine zur Verfügung.
Am Nachmittag suchen wir den Weg ins Zentrum und lernen die weniger schönen Stadtteile von Umeå kennen, bis wir die Einkaufsmeile erreichen. Allerdings entdecken wir auch ein Haus, das mit vielen gehäkelten Rechtecken verkleidet ist, das sieht nach Pippi Langstrumpf aus und beherbergt ein „Familiencafe“. Den Outdoor-Laden finden wir nicht auf Anhieb, erst nach der Internet-Recherche, dafür bekommen wir noch einige Kleinigkeiten, die wir beim Großeinkauf am Montag übersehen oder auch nicht bekommen haben. Und im Telefonladen treffen wir einen Schweden mit Migrationshintergrund, sein Vater stammt aus Graz. Weil er sich mit uns Deutsch unterhalten kann macht er uns auch einen guten Preis für die schwedische Telefon-Karte, das finde ich sehr nett von ihm.
Am Donnerstag setzen wir die Reise fort bis Örnsköldsvik, genannt Öviken. Dort gibt es einen Fjäll Räven Outlet, in einem Laden der Kette Naturkompaniet. Die Recherchen im Internet zu den Preisnachlässen hat gezeigt, dass nicht alle Rabatte im Internet veröffentlicht werden, der Laden bietet sehr viel mehr. Das war genial für uns, wir werden fündig und rüsten uns für richtig kalte Winter aus, sowohl Jacken als auch Hose, Schuhe und Mützen wechseln die Besitzer und glücklich und zufrieden verlassen wir den Laden. Der Campingplatz Gullvik liegt sehr schön an einer einsamen Bucht mit Sandstrand (was bei etwa 12 °C nicht wirklich ausschlaggebend ist) und wirkt im ersten Moment sehr ruhig. Gegen Abend und am nächsten Morgen wird deutlich, dass der Platz von vielen Arbeitern belegt ist, die morgens zwischen 6 und 8:30 Uhr abfahren. Als wir nach dem Aufstehen verzweifelt bzw. vergeblich versuchen, die Sicherung am Stromkasten wieder zu aktivieren und die anderen Stromanschlüsse ebenfalls nicht funktionieren gibt uns die Nachbarin freundlicherweise den Hinweis, dass gerade der Strom ausgefallen ist. Das vereinfacht die Frage, ob wir eine zweite Nacht bleiben wollen und so reisen wir gegen Mittag ab, mit einem zweiten Zwischenstopp bei Naturkompaniet und der Vervollständigung unserer Ausrüstung.
Der Plan, sich die Höga Kusten näher anzusehen fällt leider dem bedeckten Himmel und dem Nieselregen zum Opfer, wir fahren weiter bis Sundsvall, wieder auf einen verkehrsgünstigen Campingplatz, dafür mit einem freundlichen und (etwas zu) redseligen älteren Herrn an der Rezeption und warmen, sauberen Sanitäranlagen.
Habe ich schon von den faszinierenden Farben der Wälder geschwärmt? An jeder einzelnen Straße bietet sich immer wieder ein aufregendes Bild von Wäldern, die in allen Gelb- und Rottönen schimmern, mitten in grünen Nadelwäldern, ich genieße diese unglaublich schöne Natur jeden Tag aufs Neue!
Der Platz in Sundsvall ist zwar verkehrsgünstig gelegen, d.h. man hört den Verkehr sehr laut, aber der terrassenförmig angelegte Platz hat seinen Reiz. Man kann sehr schön spazieren gehen zu den nächsten Orten, Richtung Sundsvall im Norden kehren wir an der Metallverarbeitenden Fabrik um, Richtung Süden führt der Rad- und Fußweg „Strandleden“ erst an der Bucht entlang, dann an einer chemischen Fabrik vorbei. Wenn man das mal hinter sich hat findet man noch ein wunderschönes Plätzchen an der Ostsee in einer Bucht, windgeschützt und (endlich) mit herrlichem Sonnenschein. Das ist schon eher nach unserem Geschmack. Vielleicht kann man ja mal mit dem Bus nach Sundsvall reinfahren, zum Spazieren ist es doch etwas zu weit - dachten wir. Als am Nachmittag eine Gruppe von Transportern auf dem Campingplatz einfällt, „The Best of British“, überlegen wir noch einmal genauer. Es sind zu meinem Glück wieder ausschließlich Männer, so dass die Damenabteilung des Sanitärgebäudes nicht „betroffen“ ist - in der Nebensaison sind einige Toiletten / Duschen abgeschlossen, was die Reinigung vereinfacht und das Gedränge am Morgen erhöht. Viele Menschen auf wenigen Sanitäreinheiten verteilt bedeutet auch ein höheres Schmutzpotential, was vor allem von männlichen Gruppen intensiv ausgeschöpft wird. Das, was mich tatsächlich tangiert, sind allerdings die Fahrzeuge, die die Gruppe auf den Plätzen direkt um uns herum verteilen. Deren Kühlaggregate übertönen sogar noch den Verkehrslärm der Autobahn! Deshalb streichen wir den Ausflug nach Sundsvall und entscheiden uns, weiter nach Söderhamn zu fahren.
Campingplatz, Sundsvall
Kvissleby
Campingplatz, Sundsvall
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