Nicht nur die Mücken haben uns vertrieben, es gab auch nur zwei Toiletten mit integrierter Dusche, eine für die Jungs, eine für die Mädels. Und Angeln ist etwas für die Jungs, da ist ausnahmsweise mal der Andrang bei den Mädels geringer. Aber nach zwei Tagen und (zu) vielen Stichen machen wir uns auf den Weg, fahren noch mal nach Ammarnäs, um das auf alle Fälle gesehen zu haben. Eigentlich ist es ein Wintersportort, dort gibt es auch einen Abfahrtshang für die SkifahrerInnen, der gar nicht so einfach aussieht und wir beobachten auch einige Wanderer, die gerade ankommen bzw. sich auf den Weg machen. Es fährt sogar ein Bus hierher, wahrscheinlich warten auch einige auf den Rücktransport.
Wir fahren die Schlaglochstrecke zurück zum nächsten größeren Ort, nach Sorsele. Der dortige Campingplatz ist Anfang des Jahres von einem Schweizer übernommen worden und liegt wie der größte Teil des Ortes auf einer Insel. Hier gibt es zumindest weniger Stechmücken, hier gibt es mehr Knotts, was den Vorteil hat, dass die Knotts sich von den Räucherspiralen vertreiben lassen und im WoMo nichts machen. Dort fliegen sie an die Fenster und suchen keine Opfer, denen sie Teile aus der Haut herausschneiden.
Der Ort ist nicht wirklich schön, wir haben festgestellt, dass der schönste Platz auf dem Friedhof ist. Irgendwie traurig. Die Dorfjugend trifft sich am Badesee, in den ein nagelneuer Steg gebaut ist, mit Bänken zum Setzen und Handtuch ablegen. Allerdings wird auch mal gerne morgens um kurz nach 7 Uhr mit dem Traktor gemäht, das hört sich dann an, als ob der Traktor mitten durchs WoMo fährt. Erwähnenswert ist auch noch der ortsansässige Spediteur, Sorsele Frakt. Im Wohngebiet stehen da mal riesige Lkw mit Anhänger rum, allerdings ist nur ein einziger der Reifen mit fahrtüchtigem Profil ausgestattet, zwei andere Reifen sind stark abgefahren, bei allen anderen ist gar kein Profil mehr vorhanden. Da kriegt man richtig Vertrauen in die Lkws, die einem so auf der Straße begegnen!
Sorsele
Vindelälven, Sorsele
Sicht von Sorsele Kyrka
Sorsele
Sorsele
An der Küste soll es ja weniger Mücken geben, außerdem warten wir auf die Halterungen für die Hubstützen, die HPC uns versprochen hat, deshalb fahren wir Richtung Küste. Wir haben einen kleinen Platz rausgesucht, der Wert auf Ruhe und Einsamkeit legt, stellen bei der Besichtigung des Geländes fest, dass das eher Wunschdenken ist als Realität. Also fahren wir weiter und landen auf dem Fischcamp Fromheden, mit eingezäuntem Fischteich, wenig Stechmücken, dafür viele Bremsen. Am Wochenende (15./16.7.) findet hier ein Treffen von Akkordeonspielern statt und die ersten sind bereits eingetroffen. Im Vorzelt werden die Instrumente ausgepackt und wir brauchen an diesem Abend kein Radio, die Unterhaltung ist teilweise richtig gut. Der motivierteste Spieler ist auch um Mitternacht noch in seinem Element bzw. an seinem Instrument, glücklicherweise weit genug von unserem Platz entfernt. Da wir vor zwei Jahren im Juli ebenfalls ein Treffen allerdings viel weiter südlich im Värmland mitgekriegt haben, schließen wir daraus, dass solche Treffen wohl immer Mitte Juli stattfinden. Offenbar ist das auch sehr attraktiv für Norweger, die zahlreich vertreten sind.
Wir machen den Akkordeon-Begeisterten Platz und fahren weiter bis zur Küste. In Schweden werden in den Sommerferien alle Straßen neu asphaltiert und so fahren wir mal wieder 30 km auf Rollsplitt. Hört sich nicht so schlimm an, die Schweden geizen aber nicht mit den kleinen Steinchen, so dass teilweise noch nicht einmal die max. erlaubten 50 km/h möglich waren. Am späteren Nachmittag kommen wir dann auf dem Campingplatz Sikfors an, das Gewitter ist gerade in vollem Gange, es hört sich an wie Weltuntergang. Heiko übernimmt das Einchecken und dann stellen wir uns erst mal auf den Platz und warten bis der Regen aufhört. Die Wassermassen waren so heftig, dass der Platz unter Wasser steht, wir waten durch den Matsch, um die Auffahrkeile unter zu legen und das WoMo abzustützen. Dann erkunden wir den Ort zu Fuß, ein kleiner Spaziergang ist nach den beiden Fahrtagen dringend notwendig. Als wir nach 1 Stunde zurück kommen ist der Platz komplett abgetrocknet, wir waren offenbar zu schnell mit dem Ausrichten des WoMos. Da konnten wir zumindest noch den Abend draußen genießen, man campt ja nicht um drin zu sitzen.
Der Ort Sikfors liegt am Fluß Vallidan und hat ein kleines Kraftwerk an dem Wasserfall (fors). Über eine wacklige Hängebrücke gelangt man zu diesem Kraftwerk und das ist wieder viel attraktiver zum Wandern. An der Seite der Sperre ist auch ein Fischlauf angebracht, wir entdecken aber keine hüpfenden Lachse oder anderen Fische. Am Abend wird es auf dem Campingplatz recht voll, so dass wir nach zwei Nächten wieder zusammen packen. Der Platz hat begonnen, die Sanitäranlagen zu renovieren, bei den Mädels sind sie auch fertig, die Duschen waren die besten, die mir bisher in Schweden begegnet sind. Die Jungs müssen auf die Renovierung aber noch warten, so dass Heiko einen größeren Drang zum Weiterfahren verspürt als ich.
Sikfors Camping
Hälge, Sikfors Camping
Brücke über Piteälven, Sikfors
Der ersehnte Anruf ist da, die Halterungen sind in Gargnäs angekommen. Da Horst am Freitag und Samstag Pizza backt, fahren wir übers Wochenende erst mal nach Storlångträsk (großer langer Sumpf) zum Campingplatz Norrskengården. Dort stehen zwar zwei Wohnwagen, das sind offenbar Dauercamper, ansonsten sind wir alleine. Das Restaurant öffnet am Wochenende von 12 - 15 Uhr, und wir erwischen gerade noch jemand, bei dem wir den Platz bezahlen können. Auch hier gibt es immer wieder Schauer im Wechsel mit Sonnenschein und starker Bewölkung. Aber es ist ruhig und ungestört und wir können mal wieder einen längeren Spaziergang machen, bis wir von den Mücken regelrecht aufgefressen werden. Heiko wird immer noch heißer geliebt als ich, ich bin eine ganze Weile damit beschäftigt, ihm die Mücken vom Rücken und den Schulter zu schlagen. Aus dem Spaziergang wird auf diese Weise doch eine Walkingtour mit Kräftigungsübung für die Arme. Dann bleiben auch die Schultern geschmeidig. Allerdings wird es ziemlich warm unter den Softshell-Jacken mit Kapuze. Man sollte also nur auf den Wegen der Holzlaster laufen, nachdem der Wald gerodet wurde. Sobald die Bäume höher und dichter werden sollte man sofort umkehren - oder einen Imkeranzug tragen.
Auch an diesem Platz stelle ich wieder fest, die schönsten Fotos kann man in der Nacht schießen. Auf dem Spaziergang am Abend ist die Atmosphäre schon äußerst fotogen, gegen Mitternacht gibt es dann die stimmungsvollsten Fotos. Vielleicht schaffen wir es ja diesmal, einen Fotoband zu erstellen.
Långträsk
Norrskensgården
Långträsk
Långträsk
Norrskensgården
Auf dem Weg von Storlångträsk nach Gargnäs machen wir noch einen kurzen Halt beim Schweizer Bäcker in Sorsele. Und entdecken doch auf dem Parkplatz ein PhoeniX Wohnmobil, ebenfalls ein Alkoven, mit deutschem Kennzeichen. Natürlich parken wir direkt daneben und müssen das auch fotografieren - mehr als 5 andere PhoeniX haben wir seit unserem Kauf im August 2015 (auf der Straße) noch nicht gesehen!
Es ist ein bisschen wie nach Hause kommen, als wir auf dem Campingplatz Gargnäs eintrudeln. Es ist auch ein Platz auf der Seeseite frei und wir stellen uns an eine der schönen Holzbänke, die für die Camper bereitgestellt sind. Und mit dem WLAN des Campingplatzes kann ich auch wieder mal Fotos ins Internet stellen und den Blog weiter schreiben. Deshalb gibt es auch noch ein Foto mit meinem „Arbeitsplatz“.
Campingplatz, Gargnäs
Gargnäs
Sportplatz, Gargnäs
Gargnäs
Gargnäs
Gargnäs
Am Dienstag beraten wir erst noch mit Horst, wie die Halterungen geschweißt werden und dann geht es los: erst mal liegen Heiko und ich unter dem Auto und schrauben die linke Stütze ab. Horst schweißt in der Zwischenzeit die linke Halterung und hilft dann Heiko beim Befestigen der neuen Stütze. Das Ganze ist anstrengender als gedacht, aber Horst möchte die Schrauberei heute abschließen und kommt auch bald mit der rechten Halterung zurück. Es sieht witzig aus, wenn er mit dem Rasenmäher über das Gelände spazieren fährt, aber immer schön korrekt mit Ohrschutz! Heiko und mir gehen langsam die Kräfte aus, die letzten beiden Schrauben sind zu fest angezogen (für mich und meine letzten Kraftreserven), unter dem Auto rieselt permanent der Dreck runter sobald man sich bewegt, die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel und sticht auf den Beinen, die unter dem Fahrzeug heraus schauen. Das wäre eigentlich genug, aber die Bremsen kennen nicht die geringste Gnade und schwirren pausenlos zwischen den Werkzeugen, unter dem WoMo, vor dem WoMo und auf den SchrauberInnen herum. Da dauert es nicht lange, bis ich eine Panikattacke kriege und nur noch unten raus robbe, Heiko Herzrhythmusstörungen kriegt und sich erst mal setzen und viel trinken muss. Horst ist unser Retter in der Not und befestigt die restlichen Schrauben, mit Stütze, die an die Halterung angebracht werden muss und leider kein Federgewicht darstellt. Als alles fertig ist, probieren wir die Anlage aus, fahren alle Stützen raus und lassen automatisch ausrichten - es funktioniert! Endlich! Allerdings sind wir nicht nur vollkommen eingesaut, wir sind auch körperlich und mental fix und alle, so früh sind wir noch nie auf der Tour ins Bett gekrochen!
Die Euphorie breitet sich erst am nächsten Vormittag aus und vor allem ist jetzt erst mal nix zu tun außer lange ausschlafen, ausgiebig frühstücken inkl. Kaffee mit Schokolade, und dann wird nur noch die Markise ausgebreitet und die Füße von sich gestreckt. Eine echte Belohnung gab es dann am Donnerstag Abend, im Restaurant Trollforsen gab es Älgskav - Elchkebab aus der Muurika im Pitabrot. Muurika ist eine große Pfanne, die auf den Holzgrill geschwenkt wird, so (oder so ähnlich) machen es die Samen. In Deutschland versucht man beim Grillen möglichst wenig Rauch zu erzeugen, in Lappland wird der Grill auch gerne mit Holz angeheizt, damit es richtig heftig raucht, das hält einige Blutsauger ab, wenn auch nicht alle. Dass Britta eine sehr gute Köchin ist und ihr Handwerk versteht konnten wir bereits vor zwei Wochen feststellen, und auch diesmal wurden wir nicht enttäuscht. Zum Abschluss bereitete Horst für alle Crepes zu, mit Eis und wahlweise Heidelbeeren oder Moltebeeren-Marmelade und einem Espresso. Der Abend ist sehr schön mit den anderen Campinggästen und wir lassen ihn gemütlich bei einem guten Glas Wein ausklingen.
Mücke
Hemsjö, Gargnäs
Hemsjö, Gargnäs
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