Heute soll die Abholz-Maschine hier abgestellt werden und am Montag fallen die Bäume. Hat Torbjörn gesagt. Offenbar war der Meister des John Deere Harvester etwas früher hier angekommen, er fängt mal von unten an, die Bäume abzuholzen. Ich wollte dabei sowieso zuschauen, aber ich musste mich dann doch zusammen reißen, nicht mit offenem Mund davor zu stehen. Nicht nur, dass dieser Bagger von einer unglaublichen Dimension ist, schon alleine die beiden hinteren Reifen mit den Ketten sind beeindruckend groß, und dann sind da noch die beiden vorderen Reifen von einer Eisenkette umspannt, so dass das wie eine Panzerkette aussieht. Und damit wühlt sich diese Maschine durch das unwegsame Gelände, über alle Felsbrocken (oder sind es doch Hinkelsteine?) und Baumstümpfe hinweg ohne jegliche ersichtliche Mühe. Dann bleibt das Fahrzeug stehen, der Kran bewegt sich wie ein Roboterarm auf den nächsten Baum zu, das untere Ende umfasst den Stamm, aus dem Nichts taucht eine Säge auf und sägt den Baum ab. Der Kran hebt den Baum an als wäre es ein Zahnstocher, dieser kippt zur Seite oder besser gesagt nach vorne und dann fängt das echte Spektakel an: Rollen ziehen den Stamm nach hinten, dabei werden die Äste abgesägt, ein kleiner Stopp und der erste Teil des Stammes fällt zu Boden, abgesägt durch die kleine blaue Motorsäge, die aus dem Nichts wieder hervortaucht, dann der nächste Teil usw. Die größeren Äste und die Baumkrone werden zur Seite gelegt und während die einzelnen Teile noch verstaut werden rollt der Bagger weiter zum nächsten Baum. Baumfällen innerhalb von 2 Minuten - ich finde das unglaublich beeindruckend!
Mann ist das ein Ding
Größenvergleich
die kleine Holzfällmaschine
Und was noch faszinierender ist: Gegen 14 Uhr ist Feierabend, Wochenende, und dann betrachten wir uns das ganze Ausmaß aus der Nähe. Wie groß das Grundstück jetzt plötzlich geworden ist, Wahnsinn! Mit dem Wald wirkte das gar nicht so riesig, nun bekommt man einen besseren Eindruck von der Größe eines Hektars.
Morgen soll es schneien, da fahren wir vorsichtshalber den Anhänger noch vor die Garage. Torbjörn äußert auch seine Wünsche, wo das Wohnmobil am besten geparkt werden soll, allerdings ist das zu weit von der Stromversorgung entfernt, das werden wir erst am Sonntag umparken.
Winterimpression
Nach dem ersten Aufräumen
Skogsdrömmen
nach der Schneefräse
Wie die Zeit vergeht! Jetzt sind wir schon wieder eine ganze Woche zurück, es hat geschneit als wir weggefahren sind und der Schnee ist nur teilweise weggeschmolzen - zumindest hier oben bei uns. Und dann klingelt es mal wieder unverhofft und Torbjörn steht in der Tür mit der frohen Botschaft: nächste Woche wird in der Nachbarschaft abgeholzt, da ist unser kleines Stück auch gleich mit dabei. Allerdings haben wir die kleinen Büsche und Bäume noch nicht abgesägt. Mit unserem Trimmer mit Klinge ist das leider auch nicht so einfach, der Schutz über der Klinge ist zwei Mal davongeflogen, da habe ich dann die Segel gestrichen. Das war noch kurz vor der Urlaubswoche und nach der Rückkehr haben wir nur nach Küchen geschaut. Aber Torbjörn kennt jemanden, einen ”gubbe” der das für uns bis Ende der Woche erledigen kann, denn nächste Woche soll abgeholzt werden. Auch wenn dann für die Räumung nur noch Donnerstag und Freitag bleiben. Und wie versprochen steht am Donnerstag Morgen ein eifriger Holzarbeiter auf dem Gelände und schwingt die Säge. Er ist tatsächlich ziemlich schnell unterwegs und lässt sich gerne von mir erklären, was er alles absägen kann und was ich gerne noch behalten möchte.
Wir fahren später nach Deje, um unseren Karton mit Rindfleisch abzuholen, und als wir zurückkommen ist es zwar schon dunkel aber man sieht schon viel mehr vom Grundstück. Kaum zu glauben, aber es ist schon alleine dadurch heller geworden. Wir sind gespannt auf das was da noch kommen mag.
Das Wochenende vergeht sehr schnell, auch wenn man durch die Löcher zwischen Fenster und Wand nach draußen sehen kann: es fühlt sich viel wärmer an als vorher! Wir haben mal wieder das große Los gezogen, es ist zwischen -11°C und -5°C kalt, dafür scheint die Sonne an einigen Tagen von einem strahlend blauen Himmel. Am Montag ist Conny damit beschäftigt außen abzudichten, jetzt kann er die Maße außen für die untere Alurinne nehmen und diese Bleche bestellen: ”Die sind bestimmt schnell da, ich denke spätestens Donnerstag.” Äußerst beruhigend…
Und dann beginnen die Innenarbeiten: die Laibung um alle vier Seiten der Fenster und anschließend der Rahmen außenrum, schön mit Gehrung in den Ecken. Die beiden frisch tapezierten Zimmer bekommen einen weißen Rahmen, die anderen werden mit Eiche umrahmt, alles wie gewünscht. Die Tigersäge muss leider noch einige Male angesetzt werden, das ist immer der schlimmste Dreck, aber nach dem Abschleifen der Leimreste von den Holzpaneelen ist das auch nicht mehr der Rede wert. Inzwischen sind wir ein eingespieltes Team beim Hinterher-Räumen, Dreck zusammen kehren und entsorgen, Boden abdecken usw., aber Conny hält uns ganz schön auf Trab. Am Mittwoch sind nur noch Restarbeiten zu erledigen wie die Bleche außen anzubringen und die alte vom Hund gnadenlos zerkratzte Schlafzimmertür durch eine neue Eichentür auszutauschen.
Eigentlich sollte am Mittwoch noch Jonas aus Sunne kommen wegen des Bücherregals, aber Heiko hat bei Conny nachgefragt, ob der das vielleicht auch absägen könnte? Und Conny rennt in den Schuppen, holt eine Wange nach der anderen raus, klärt mit mir die Länge - er will sie kürzer schneiden als ich sie haben will - und beginnt mit dem Sägen. Eventuell hätte Jonas das ein klein bisschen schöner hingekriegt, aber mit einem Fetzen Schleifpapier werden auch die Ränder wieder schön und knapp unter der Decke sieht man das sowieso nicht. Und dann lässt Conny uns mit den Einzelteilen der Paschen-Bibliothek allein: ”Aufbauen könnt ihr das aber selbst." Wir brauchen definitiv länger als ein Schreiner aber am Donnerstag Abend steht es wieder, unser großes Bücherregal in seiner vollen Schönheit. Für mich gibt es kein Halten mehr, die Umzugskartons mit den Büchern werden aus dem Schuppen geholt und ein weiteres Mal sind Bücher so unglaublich schwer. Am Ende gewinnen die Endorphine, nur kurze Zeit gedämpft durch das Fehlen von zwei meiner Lieblingsautoren, die ich aber noch inmitten von Perry-Rhodan-Bücher-Kartons finde und am Freitag sieht das Wohnzimmer so richtig gemütlich, wohnlich, einfach nur zum Wohlfühlen aus. Das ist das beste Geschenk zum ersten Jahrestag in unserem Haus in Schweden!
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