Heute lassen wir es ruhiger angehen: ein kurzer Spaziergang um den Lake Westmere, mit dem berühmten Aufzug durch den Berg mit Aussicht auf die Stadt vom Dury Hill, Bummel durch die Stadt Wanganui und am Ufer des Whanganui.
Heute wollen wir nicht so viel fahren. Wir starten mit einem Rundweg um den Lake Westmere, der kurz hinter der Stadt an einer Seitenstraße liegt. Der Weg führt durch den Busch - es gibt auch einen "short bush walk" - und relativ weit vom See entfernt um den See herum. An einer Lichtung kann man die Vögel im Wasser und auf den Bäumen am gegenüberliegenden Ufer beobachten, das ist das einzige Highlight des Sees. Der Spaziergang dauert nur eine knappe Dreiviertelstunde, anschließend fahren wir durch die Stadt und über den Fluss zum Berg-Fahrstuhl. Der Weg zum Fahrstuhl führt etwa 50 m durch einen Tunnel, der direkt an den Lift mündet. Dieser wurde vor etwa 100 Jahren erbaut, weil man mit der dichten Besiedelung des Berges rechnete, die dann allerdings nicht so eintraf. Für 1 NZ$ fährt man dann mitten durch den Berg auf den Gipfel, um dort auf den kleinen Turm des Lifts zu klettern, der den Motor enthält, und die Aussicht über die Stadt und den Fluss zu genießen. Einen noch besseren Blick erhält man, wenn man die 176 Stufen des anderen gemauerten Turms erklimmt. Auf der oberen Plattform verhindert ein Dach aus Eisenstangen, dass man gut fotografieren kann, na ja, wahrscheinlich soll es das runterfallen verhindern. Dafür ist schon die hohe Mauer zuständig, ich kann kaum drüber schauen. Ob man von dort tatsächlich die Südinsel sehen kann, können wir nicht verifizieren, den Blick auf den verschneiten Mt. Ruatehupa (oder so ähnlich) haben wir erhascht. Der Fluss windet sind in Wanganui durch das Tal, bis er in die Tasmanische See mündet, jetzt sehen wir zum ersten Mal das Meer auf dieser Seite der Insel.
Wanganui - Lake Westmere
Wanganui - Durie Hill
Wanganui - Ausblick vom Durie Hill - Tasman See
Wanganui - Ausblick vom Durie Hill auf Waimarie, den Schaufelraddampfer
Wanganui - Blick auf den Durie Hill
Berauscht von der herrlichen Aussicht laufen wir über die City Bridge und auf der Geschäftsstraße einmal rauf, auf der anderen Seite wieder runter, und wählen das Cafe Poppies aus, das am einladendsten aussieht. Nach einer kurzen Verschnaufpause spazieren wir noch am "Mainuferweg", ein Weg aus Holzbohlen, an dem viele große und kleine Angler ihr Glück versuchen. Einige Fische habe ich auch auf dem Gras zappeln sehen...
Um auch die andere Seite des Flusses zu begutachten gibt es einen letzten Abschiedsgang durch den Familienpark und auf dem Uferweg auf der gegenüberliegenden Uferseite, hier ein sich windender Schotterweg, vorbei an den Boots-Einlass-Stellen und dem Bootsclub von Wanganui, und durch einen ehemaligen Trimm-dich-Pfad, der offenbar inzwischen gerne als Hundeplatz genutzt wird.
Wir brechen die Zelte in Wanganui ab und reisen weiter nach Wellington. Durch die größte Schafregion bei Masterton - dort sollen etwa 3 Mio. Schafe leben - mit kurzem Stadtbummel in Masterton, Richtung Süden durch Martinsborough, das Weingebiet, dichter besiedeltes Gebiet vor der Region Wellington und zu guter Letzt über einen Pass (555 m hören sich poplig an, sind es aber nicht) und schon beginnen die Vororte der Stadt. Der erste Blick in die Bucht mit den mehr oder weniger besiedelten Hügeln ist beeindruckend, der erste Spaziergang an Hafenpromenade ist vor allem windig.
Wie die meisten Unterkünfte muss man auch den Holiday Park um 10 Uhr verlassen ("strictly 10 am" bedeutet offenbar, dass man vor 11 Uhr weg sein sollte - zumindest entspricht das unserer Beobachtung). Wir fahren über den SH 3 zurück über Palmerston North bis Woodville, dann folgen wir wieder dem SH 2 Richtung Wellington. Um Masterton ist die Schafreichste Region von Neuseeland, es sollen dort etwa 3 Mio. Schafe leben. Wahrscheinlich haben sie sich alle unter den Bäumen oder hinter den Hügeln versteckt, uns kam es nicht so vor, als ob ungeheuer viele Schafe hier leben würden. Die Stadt Masterton mit knapp 20.000 Einwohnern ist ein eher verschlafenes Provinzstädtchen, der Bummel durch die (wie überall einzige) Geschäftsstraße dauert nicht sehr lange, ein Cafe finden wir trotzdem. Nach der Stärkung geht es weiter durch die Ebene, auf beiden Seiten ragen die grünen Hügel zum Himmel, auch wenn sie nicht hoch wirken. Je weiter wir nach Süden kommen um so stärker ist die Gegend besiedelt, die Ortsdurchfahrten mehren sich. Jetzt kommt es auch öfter vor, dass die 100 km/h eingeschränkt werden auf 80 oder gar auf 50 km/h. (Normalerweise darf man vor Schulen nur 70 km/h fahren - das finde ich tatsächlich interessant.)
Im Hochsommer ist es irritierend, wenn eine Straße als offen markiert wird, inzwischen weiß ich die nähere Bedeutung: es geht über einen Pass, die Straße hat zumindest einige Serpentinen, ist mal breiter aber meistens recht schmal und auch ziemlich steil. Auch diesmal werden wir nicht enttäuscht, der Gipfel liegt bei 555 m, wenn man sich den Berghang entlang schlängelt, dabei noch Radler überholt, die mit ihren Rennrädern so aussehen, als würden sie für die Tour de France trainieren, kommt es einem aber sehr viel höher vor. Der stürmische Wind, der mal von vorne, dann von der Seite, dann auch mal von hinten kommt, trägt nicht dazu bei, dass man jetzt lieber auf zwei Rädern den Berg hoch oder auch runter fahren möchte. Selbst mit dem Motorrad muss der Wind gar garstig sein.
Nachdem wir auch diesen Pass gemeistert haben, geht es durch das Einzugsgebiet von Wellington über die Upper und Lower Hutt auf geraden, breit ausgebauten, zweispurigen Straßen der Hauptstadt entgegen. An der Küste entlang gibt es sogar Eisenbahnschienen, und wir sehen heute den immerhin dritten Zug entgegen kommen, er sieht eher aus wie eine S-Bahn.
Wellington - Blick auf den Yachthafen
Wellington - Blick auf den Yachthafen
Wellington - Museum Te Papa
Wellington - Fähre vor dem Yachthafen
Das Hotel ist glücklicherweise einfach zu finden, es liegt am Fuße der unglaublich steilen Bolton Street. Das von Qualmark auf 5 Sterne geratete Hotel ist noch sehr neu, die Zimmer beeindrucken uns. Das erste Mal, dass genug Geschirr, eine tatsächlich vollständig ausgestattete Küche mit Spül- und Waschmaschine, vorhanden ist, dazu noch geschmackvoll eingerichtet, es erfüllt meine Erwartungen voll und ganz. Nachdem die erste Ladung Wäsche versorgt ist machen wir uns auf Erkundungstour. Die Gewohnheit, hier die Stadtpläne zumindest der Innenstadt auf Blöcke zu drucken und zum mitnehmen auszulegen ist genial. Das macht es viel einfacher, den Hafen und die Promenade zu finden, wir kommen direkt am "Kanzleramt" und den Regierungsgebäuden vorbei, auf dem Weg zur Bucht.
Unser Spaziergang wird von einem heftigen stürmischen Wind begleitet, teilweise wird man vom Wind weggeschoben, die Möwen sehen aus als würden sie tanzen, wenn sie von einer Böe erwischt und weggetragen werden. Die Pflanzen am Kai sind durch große Metallgitter vom Wind geschützt, das Pfeifen des Windes ergibt ein richtiges Konzert. An einer großen Segeljacht beobachten wir, wie jemand auf den Mast bis ganz nach oben klettert bzw. gezogen wird. Der Mast ist ziemlich hoch, er schwankt in einem größeren Durchmesser mit dem Mann dort oben. Ein angelegter Wasserfall wird durch den Wind gestört, das Wasser fällt nicht mehr zu Boden, es wird in die Höhe gewirbelt - faszinierend! An der Uferpromenade liegt das Museum Te Papa, dies ist ein wuchtiger moderner Bau in grau und ocker - von der Uferpromenade sieht er nicht gerade einladend aus.
Es ist hier provinzieller als in Auckland, die Geschäfte schließen früher, es sind weniger Läden am Wochenende bzw. Sonntag geöffnet - und am Abend sind die Straßen leer gefegt. Nachdem wir endlich ein nettes (indisches) Restaurant entdeckt haben, in dem man nicht nur gut sonder sogar gleichzeitig essen kann, ist die Atmosphäre auf dem Heimweg eher unheimlich, einige seltsame Gestalten pöbeln die Passanten an, alles sieht verlassen aus, die Restaurants sind nach 9 Uhr wieder leer, es wirkt nicht so richtig freundlich.
Das Wetter ist nicht mehr ganz so hervorragend, dunkle Wolken hängen über der Stadt, so dass der Museumsbesuch im Te Papa vorgezogen wird.
Der gestrige Tag war mit stürmischem Wind aber sonnig, heute hat der Wind nachgelassen, dafür ist der Himmel mit dunklen Wolken verhangen. Deshalb ändern wir unseren Plan, den Botanischen Garten mit der Cable Car anzusteuern und den Blick über die Stadt zu genießen, und wenden uns dem Museum Te Papa zu. Auf dem Weg am Ufer entlang fällt ein metallischer Stab auf, der durch den Wind bewegt wird. Er ist am unteren Ende in einer Kugel befestigt, Wasser wird durch den Stab nach oben gepumpt und spritzt durch einige Löcher sich windend heraus. Der Stab bewegt sich im Wind, die genaue Funktionsweise des Kunstwerks ist nicht näher erläutert, es wird aber nur zur vollen Stunde aktiviert, gestern sind wir einfach vorbei gegangen, die Metallstange fällt überhaupt nicht auf.
Das Te Papa ist ein ausführliches und anschauliches Museum über die Entstehung Neuseelands, die Geschichte der Maori und den Einfluss der Europäischen Siedler auf die Landschaft Neuseelands. Die Entstehung der Erdbeben durch die Verschiebung der Australischen und der Pazifischen Platte wird anhand von Filmen, Bildern und Tafeln ausführlich erläutert. Die Ausstellung ist sehr informativ und auch für Kinder gerecht aufgebaut, überall gibt es Knöpfe, die man drücken darf, um Lämpchen oder kurze Filme zu aktivieren. Mit der Zeit wird es ziemlich laut von den ganzen unterschiedlichen Lautsprecher-Erklärungen, gepaart mit den lauten Kinderschreien und der Eltern-Erläuterungen.
Wir haben immer noch kein Erdbeben gespürt, im Museum sind alle großen Erdbeben auf diversen Tafeln aufgelistet, bei denen es zu Schäden kam. In Wellington treffen die Platten öfter mal aufeinander, das letzte Beben war am 10.01.08 (also vor 3 Tagen) mit einer Stärke von 4,1 auf der Richterskala. Die genaue Lage haben sie uns nicht verraten, offenbar sind die meisten Beben nicht zu spüren - ist wahrscheinlich besser so.
Wellington - Regierungsgebäude
Wellington - Regierungsgebäude Beehive
Ein Teil der Ausstellung führt nach draußen, in den Bush Walk, bei dem man einiges über Pflanzen (es gibt Recycling-Gräser), Glühwürmchen-Höhlen (die hellen Fäden sind zum Anziehen der Beute-Insekten, je mehr Hunger, desto heller der leuchtende Faden), Tiere (Raubvögel haben Koa-Vögel in Erdlöcher gestoßen, die dort nicht mehr rauskamen) lernen kann. Es sind echte Lavasteine aus Auckland ausgestellt und Klettersteine aus verschiedenen Steinsorten.
Die Ausstellung über Tiere des Meeres hat uns nicht so stark interessiert, die Auflistung wann welche Tiere und Pflanzen von wem nach Neuseeland gebracht wurden war schon beeindruckender. Die Insel im ursprünglichen Zustand vor der Besiedlung durch die Europäer zu sehen, zu 97 % mit Urwald überzogen und zur Zeit der hauptsächlichen "Invasion" der Pakeha von Anfang des 19. Jahrhunderts mit noch etwa 50 % Wald, und jetzt, da nur noch 25 % des Waldes vorhanden ist, fasziniert uns beträchtlich. Der Einfluss der neuen Siedler ist nicht so richtig positiv für die Inseln verlaufen - dafür gibt es jetzt richtig viele Schafe und Rinder.
Der Vertrag von Waitanga, der am 6.2.1840 zwischen den Engländern und den Maori-Stämmen geschlossen wurde, ist ebenfalls ausgestellt. Bei einem großen Feuer wurde der Vertrag 1902 fast zerstört, eine vergrößerte Nachbildung des verbliebenen Rests ist hier zu besichtigen, genauso wie die Englische und die Maori-Version des Vertrages - die offenbar nicht ganz identisch sind (Details!).
Diese Informationsflut muss jetzt erst mal bei einem Cappuccino verdaut werden. Die Cafe-Besitzer haben offensichtlich große Mühe, die dreisten Tauben in Schach zu halten. Vielleicht wäre das eine gute Geschäftsidee: Dackel abrichten, dass sie Tauben jagen und die Dackel an die Cafes vermieten.
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