Heute stehen wir zwar nicht um 6:20 Uhr auf haben aber ein Tapezier-Wochenende vor uns. Wir beginnen mit dem Badezimmer, freuen uns nicht allzu sehr über die aus meiner Sicht völlig verhunzten Fugen auf den Sockelleisten und oberhalb der obersten Fliesen. Da müssen wir jetzt durch, ebenfalls durch die schrägen Deckenleisten, die bereits angebracht sind und das Tapezieren am oberen Rand nicht einfacher gestalten. Gegen Mittag zirkeln wir den oberen Rand mit Geo-Dreieck genau ab um die Tapete oben ansetzen zu können. Es dauert eine Weile bis wir die Sinnlosigkeit dieses Aufwands bemerken, die Decke ist nicht vollständig gerade oder die Deckenleiste ist schräg bzw. hängt an einigen Stellen durch oder die Nägel sind unterschiedlich tief versenkt oder oder oder… So genau können wir nicht analysieren woran es liegt, auf alle Fälle ist es unmöglich oben gerade anzusetzen und unten im Lot zu bleiben. Wenigstens das Badezimmer kriegen wir bis zum Abend fertig und verschieben den Rest, also Gäste-WC und Waschküche, auf Sonntag.
Das Gäste-WC ist ein relativ kleiner Raum - der es beim Tapezieren richtig in sich hat! Wir entscheiden uns, erst die schmalen Seiten zu tapezieren und anschließend die langen. Leider ist das nicht so einfach wie es sich anhört bzw. wie wir vorher angenommen hatten. Die Fuge über dem WC-Vorbau ist eine normale Fliesenfuge und keine Acryl- bzw. Silikonfuge. Abgesehen davon, dass beim Abschneiden der Tapete das Messer direkt nach jeder Tapetenbahn stumpf ist bröselt die Fugenmasse schwarze Kügelchen aus, die wir gleichmäßig auf der Tapete verteilen, bei dem Versuch den Kleister abzuwischen. Auch die halbhoch geflieste gegenüberliegende Wand hat ihre Tücken, allerdings kriegen wir den Abschluss besser hin als auf der anderen Seite. Dort müssen wir auf alle Fälle mit einer Acrylfuge das Ganze so bearbeiten, dass man es ansehen kann. Auch der Ausschnitt mit Übergang von Fliese zu Tapete ist nicht trivial und so verzögert sich das Ganze, abgesehen von den zwei Bahnen, die wir nach dem Abschneiden wieder von der Wand ziehen, neu zuschneiden und ein zweites Mal verkleben. Trotz der Anspannung schaffen wir es irgendwie, sowohl das Gäste-WC als auch die Waschküche komplett fertig zu stellen. Mehr als Pizza aufbacken geht dann allerdings am Abend nicht mehr.
6:20 Uhr aufstehen, um 6:45 Uhr steht Roland, der Elektriker, vor der Tür und trinkt seinen Kaffee im Auto. 10 Minuten später kommt er rein und beginnt mit seiner Arbeit. Da es keinen Stromausfall gibt schließen wir folgerichtig, dass er erst mal alleine gekommen ist und kurz nach 8 Uhr kommt Christian mit dem Spiegelschrank und Spiegel, die die beiden anbringen sollen. Erst mal ist allerdings Kabel ziehen angesagt. Sie kriegen tatsächlich alle Steckdosen, Schalter und Termostate angeschlossen, alles fertig bis auf die Abdeckung in der Waschküche, die zwar bestellt aber noch nicht geliefert wurde. Und sie schaffen das alles trotz dass wir noch Sonderwünsche äußern mit dem Entkoppeln der beiden Wohnzimmerlampen über den Fenstern auf der einen Seite und der Flurlampe vor dem Bad.
Jürgen ist zum letzten Mal heute hier und schmiert die Silikonfuge zwischen Boden und Wandfliesen und in der Dusche an den Ecken. Er erklärt Heiko, dass er Rand dunkel durchscheint und wir das einfach mit einem Klecks Farbe schöner machen können. Übersetzt könnte man sagen: ”Ich habe hier nicht gut gearbeitet, ihr könnt das aber ganz einfach selbst reparieren!” Das erinnert an die Bauhaus-Werbung: ”Einfach selber machen: wenn es gut werden soll!” Ich rüste noch einmal voll auf mit Duftlämpchen und Räucherstäbchen - das letzte - aber es reicht aus, Jürgen braucht nicht allzu lange.
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